Das Gleichnis aus dem Gemeinderat
Es war einmal ein riesiger Flugzeugträger mitten auf dem großen Ozean. Das Schiff war auf den Namen „Gemeinde Friedland“ getauft. Etwa 7.500 Passagiere und Besatzungsmitglieder waren an Bord.
Doch die Treibstoffvorräte waren aufgebraucht, der Kontakt zum Heimathafen war abgebrochen und die Lebensmittelvorräte gingen zur Neige – das Schiff war verloren, die Situation schien aussichtslos.
Aber dort, auf dem Flugdeck stand sie, die letzte, verbliebene, kleine Transportmaschine. Wird man in der Lage sein, damit die notwendige Hilfe herbei zu holen?
Früher hatte man eine größere Transportmaschine. Die Admiralität hatte nämlich geglaubt, man habe 11.000 und nicht nur 7.500 Personen an Bord. Doch nach einer letzten „Zensusreise“ im Jahr 2009 musste man die große Maschine jetzt abgeben.
An Bord des kleinen Flugzeugs befanden sich der Schiffskapitän, seine Gefolgsleute, seine „roten“ Hilfssheriffs und gegenüber steckten die „grünen“ und „schwarzen“ Passagiere die Köpfe zusammen.
Alle hatten sie - wie früher im großen Flugzeug - ihr lieb gewonnenes Hab und Gut im Gepäckraum verstaut. Doch das kleinere Flugzeug war damit völlig überladen. Das Fahrgestell der Maschine ächzte und knirschte unter dieser Last. Hätte man so starten wollen, wäre das Flugzeug am Ende der Startbahn in den Ozean gestürzt. Passagiere und Schiffsbesatzung wären verloren gewesen.
Da bemerkte der Schiffskapitän, dass er vergessen hatte das Beförderungs- und Stundenerhöhungsgepäck seiner Gefolgsleute rechtzeitig einzuladen.
Die mutige Sprecherin der „schwarzen“ und „grünen“ Passagiere schlug spontan vor, nichts mehr einzuladen, und sofort zu überlegen, was man statt dessen noch abwerfen könnte, damit man starten und Hilfe holen kann.
Der Schiffskapitän aber entschied sofort und duldete dabei keinen Widerspruch: Beförderungen und Stundenerhöhungen einladen, fest verzurren und sofort anrollen. Wir klären dann später, welchen Ballast wir abwerfen können. Seine Gefolgsleute, seien dann auch nicht enttäuscht und könnten viel besser überlegen, was man noch abwerfen könnte. Außerdem würde ein Verzicht auf die Beförderungen und Stundenerhöhungen allein sowieso nicht ausreichen, die Überladung zu beseitigen. Man brauche da schon bessere Ideen. Und die könnten nur zufriedene Gefolgsleute haben. Oder hatte er seinen Gefolgsleuten wohl einfach nur fest versprochen, auch im kleinen Flugzeug all ihr Hab und Gut mitzunehmen.
Inzwischen hatten sich die Hilfssheriffs und die Gefolgsleute mit bedrohlichen Blicken vor den „anderen“ Passagieren aufgebaut und sie gaben unmissverständlich zu verstehen, was sie tun würden, wenn es auch nur einer noch wagen würde, ihrem Kapitän zu widersprechen.
Dieser bedrohlichen Einschüchterung hielten die grünen und schwarzen Passagiere kaum stand. Alte Freunde und Weggefährten standen mit grimmigem Blick vor Ihnen. Was jetzt?
Die mutige Sprecherin der Passagiere schlug trotzdem vor, zunächst darüber zu entscheiden, welchen Ballast man von Bord werfen will und dann erst anzurollen.
Der Kapitän tobte: Dazu habe man jetzt keine Zeit mehr, dann wären die Passagiere schuld, wenn er zu spät zurückkommt. Alle auf dem Flugzeugträger könnten verhungert sein, bevor er mit Hilfe zurück ist.
Die Blicke der Gefolgsleute und auch die der „roten“ Hilfssheriffs wurden noch bedrohlicher.
Die noch immer mutige Sprecherin der Passagiere wagte es dann zwar noch einmal zu rebellieren - mehr war aber nicht drin. Zu bedrohlich hatten sich die Freunde vom Flug- und Bodenpersonal, - denn das sind sie für uns doch immer noch – unserer Freunde – vor den Passagieren aufgebaut.
Allen war eigentlich klar, dass man sein lieb gewonnenes Hab und Gut zunächst einmal auf dem Flugzeugträger zurück lassen könnte. Man bekommt es doch vielleicht wieder, wenn das Schiff gerettet war. Trotzdem war niemand bereit, einen Anfang zu machen. Und statt mit dem Ausladen zu beginnen wollten der Kapitän mit seinen Gefolgsleuten und seinen roten Hilfssheriffs jetzt sogar noch „einladen“.
Schon wurden die Motoren gestartet. Gleich würde das Flugzeug anrollen.
Und es war immer noch völlig überladen. - Was nun?
Sollte man dem Versprechen des Kapitäns vertrauen? Er wird es doch schon richten – hat er doch immer geschafft – ABER? - Der will jetzt sogar noch „einladen“ statt „auszuladen“.
Doch die Passagiere und die Hilfssheriffs die werden doch vernünftig sein, die werden doch wohl noch Gepäck abwerfen.
Doch sobald eine Seite damit beginnt, ein Gepäckstück auch nur anzusehen, erfindet die andere Seite 1.000 gute Gründe, warum man gerade dort nicht anfangen kann.
Die „normalen“ Passagiere überlegten was sie nun noch machen könnten:
Bleiben wir ruhig und zerschellen einfach im Ozean oder
springen wir im letzten Moment aus der Maschine, und verhungern ganz friedlich in der Menschenmenge auf dem Flugzeugträger oder
rottet wir uns zusammen wie die „roten“ Hilfssheriffs und prügeln uns mit ihnen, dem Flottenkapitän und seinen Gefolgsleuten. Vielleicht kommen wir so bis in den Gepäckraum und können selbst den notwendigen Ballast abwerfen.
Und seit dem fliegen die Fäuste! Und wenn sie nicht schon längst ausgeknockt oder zerschellt sind, dann prügeln Sie sich noch heute.